Wir, Xennials – wo sind wir?

Ich gehöre der X-Generation, befinde mich  in der oberen Grenze dieser Altersspanne, zu den Millenials passe ich also  wohl nicht rein.

Ich habe wohl geschrieben, weil die Grenze zwischen den Generationen  doch nicht so ganz scharf sein sollte – es ist doch keine Mathe. Ich habe mehr gemeinsamer Eigenschaften mit den in den 80-ger geborenen Millenials als mit den X – Vertretern, die Ende der 60-ger geboren sind.  Deswegen finde ich den Begriff  Xennials ganz witzig, passt ganz gut zu solchen Hybrid-Lösungen wie z.B. ich  🙂

Eigenschaften die der  Generation X zugewiesen werden sind u.a.:

– Erwachsenwerden in den sich änderdnen Umständen im Zusammenhang mit der politischen und wirtschaftlichen Wende (mindestens bei uns in Polen)
– die Suche nach eigenem Ort in der Welt

– ständige Überprüfung von eigenem Selbstwertgefühl
– häufiges Vorziehen der beruflichen Verpflichtungen über das Privatleben

Ich kenne es ganz gut 🙂 Kenne diese Motivation und wirklich grosse Anstrengung um was zu erreichen. Um „jemand” zu werden. Ich finde es jetzt ganz komisch, da ich jetzt weiss, dass ich im Moment meiner Geburt bereits jemand war.  Jeder ist jemand. Früher dachte ich, dass man sich nicht schlecht bemühen muss, um jemand zu werden. Am besten alles mit eigenen Kräften, auch wenn mir Hilfe angeboten wurde – habe ich diese überwiegend abgelehnt – ich schaffe es doch. Self made woman 😉

Und eigentlich ist auch alles gelungen. Ich habe einen guten freien Beruf, den ich gerne ausübe. Ich kann ruhig leben und meine Verbindlichkeiten ( siehe CHF- Kredit :-)))))) bezahlen. Ab und zu kann ich mir was extra gönen.

Und plötzlich:

„Auf halbem Weg des Menschenlebens fand
Ich mich in einen finstern Wald verschlagen,
Weil ich vom graden Weg mich abgewandt”
Dante Alighieri Die göttische Komödie

Klingt bekannt?  Die oberen Worte sind Anfang des XIV Jahrhunderts also im dunklen Mittelalter entstanden, sind aber total universal. Die Worte zeigen ganz gut, dass trotz der wissenschaftlichen und technologischen Kluft zwischen dem XIV und XXI Jahhundert der Mensch sich doch nicht so sehr verändert hat.

Was mir aufgefallen ist – Herrn Dante Alighieri wurde  auch nicht ein mide-life crisis erspart, oder?  (es ist also nicht unbedingt eine Erfindung unserer Zeiten, früher gab es das auch). Die Worte zeigen ganz gut  die Verzweiflung, die in einem Moment des Lebens sowohl Frauen als auch Männer erwischt (bin mir nicht sicher, ob Männer nicht noch stärker davon betroffen sind). Verzweiflung daran, woran wir stark geglaubt haben, wonach wir  das ganze bisherige Leben gestrebt waren. Endlich sind wir an der Stelle, an der wir sein wollten. Wir haben eine berufliche Position, die wahrscheinlich einige neidisch macht. Die Mehrheit aus unserer X-Generation hat auch Familien gegründet. Es sieht wirklich so aus, als hätten wir alles.

Nur … falls wir  alles haben … was ist das, was fehlt?

Da wir leider unter der Haut fühlen, das irgendwas doch fehlt …

Ich glaube, wir haben uns ein bisschen der Pracht der Welt  verführen lassen. Es ist wohl gelungen uns zu überzeugen, dass als Synonym des Erfolgs das neueste Automodell gilt. Wir schauen uns solche Leute an und denken: ihm/ihr ist es gelungen, sie sind erfolgreich.  Wollen wir auch so sein – so brauchen wir natürlich entsprechende Status- Symbole und deswegen müssen wir schnellstmöglich unser iPhone 8 gegen iPhone X wechseln.  Und tatsächlich kann jemand das so empfinden – dass die von ihm/ihr am meisten begehrte Sache ein neues iPhone ist.  Bis er/sie ein neues Bedürfnis spürt.

Wenn man jedoch in Kauf nimmt, dass der Mensch sich nicht so sehr seit dem XIV Jahrhundert verändert hat, da kommt man schon zu der Schlussfolgerung, dass viel mehr als ein neues iPhone uns andere Sachen glücklich machen können – nämlich Dinge, die gut, wahr und schön sind.

Wir wollen das Gute, da wir nicht möchten, dass jemand uns oder unseren nahstehenden Leuten weh tut. Wir wollen auch nicht anderen weh tun, da wir  in so einem Falle den grössten Schaden uns selben machen – gemäss dem Prinzip, dass alles zurückkommt  – die guten Taten und die schlechten auch.

Ich glaube wirklich, dass in jedem Menschen (na ja – manchmal ganz  tief, aber doch) gute Grundstoffe gibt. Manchmal verläuft sich jemand und scheint dann nach dem Prinzip zu handeln: soweit jemand vor dir keine Angst hat, wird über dich lachen. (Auf Polnisch reimt sich der Spruch, von daher klingt auch besser). So einem Verhalten liegt ganz oft niedriges Selbstwertgefühl zugrunde. Als Argument wird von solchen Personen, wenn etwas ausser Kontrolle gerät,  einfach Kraft genutzt.

Ich bin absolut damit nicht einverstanden, dass jemand vor jemanden anderen Angst haben muss. Das Kind braucht vor den Eltern keine Angst zu haben, der Schüler vor dem Lehrer, die Frau vor dem Mann … Keine Angst zu haben bedeutet  auf gar keinen Fall  fehlenden Respekt.  Das sind zwei völlig unterschiedliche Sachen.

Wir wollen die Wahrheit, da wir in einer  post – truth era  leben. Sog. fake news wurde zu einem ganz normalen Element unserer Wirklichkeit. Es ist wohl was nicht in Ordnung, wenn man ohne jeglkche Konsequenzen  lügen darf.   Ich denke auch, dass wir so sehr die Wahrheit wollen, weil wir uns nach der Authentität gesehnt haben. Die Welt ist glänzend und blinkend und erst wenn man sich diese näher anschaut, wird der alte Spruch „Nicht alles Gold …” verständlich.

Mehr noch – wir wollen uns auch endlich mal Authentität erlauben dürfen. Die Anspüche, die an uns (die Generation X) gestellt wurden, sind wirklich sehr hoch.   Wir sollen  fehlerfrei,  ideal organisiert  und dazu noch mit Leidenschaft arbeiten, wir sollen schön, gesund, immer energievoll sein. Wir sollen die Verantwortung für die Familien und den Staat tragen und sogar noch  für den Sozialversicherungssystem, wofür doch sowieso keine Chancen  gibt.  Und … wir wollten auch so sein. Oder besser gesagt, eine Zeit lang, ist es uns auch gelungen, den Eindruck so zu machen, dass wir so auch sind. Nur wir sind mit diesem  Scheinbild von uns einfach müde geworden.  Nobody is perfect, wir auch nicht  Von daher möchten wir uns endlich erlauben so zu sein, wie wir wirklich sind. Es ist doch keine Unehre mal nicht ideal zu sein. Wir wollen uns manchmal am Abend sagen dürfen – Du musst nicht.  Du musst nicht so viel arbeiten, du musst nicht wie die Frau im TV aussehen. Wir möchten einfach langsamer und normaler leben.

Und endlich brauchen wir die Schönheit, da die Schönheit unsere Sinne beeinflusst und wir in einer schönen Umgebung einfach glücklicher sind. Wir brauchen das , was schön ist, natürlich im visuellen Sinne, aber doch auch in dem geistigen. Und hier kommen wir wohl zurück an …. das Gute …

Zum Beispiel an … Gute Nacht 😉 ist doch schön, oder? 😉 Grüsse an Alle, insbesondere an alle Nachteulen 😉

 

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